Grobsendungen

April 27, 2008

Ich möchte nicht wissen, was man hier alles einwerfen kann….


Goethe in Tübingen

April 27, 2008

Daß Goethe in Tübingen einst nächtigte, ist keine große Überraschung. Daß die Stadt mächtig stolz darauf ist und eine Gedenktafel an jenem Haus anbringt auch nicht:

Nett ist aber die Version, die Studenten direkt im Haus daneben angebracht haben:


Laienspiel, Volker Klüpfel und Michael Kobr

April 22, 2008

Köstlich! Das ist das, was mir spontan zu den Büchern der beiden Allgäuer Volker Klüpfel und Michael Kobr einfällt.
Nach „Milchgeld“, „Erntedank“ und „Seegrund“ ist „Laienspiel“ das neue Buch der beiden. Die Rahmenhandlung ist zugegebenermaßen etwas weit hergeholt (internationaler Terrorismus im Allgäu) aber die Beschreibung Kluftingers einfach genial. Hier wird ein spitzbübischer Provinzkommissar karrikiert, der mit gesundem Menschenverstand allerlei Peinlichkeiten eingeht aber trotzdem und vielleicht auch gerade deshalb immer seiner Linie treu bleibt. Die Bekanntschaft seiner Frau mit dem Ehepaar Dr. Langhammer (eingebildeter Mediziner, der in etwas fortgeschrittenerem Alter mit dem Trend geht und deshalb per se Kluftinger zur Weißglut treibt) wird hier ebenso weiterentwickelt wie die Reise durch das schöne Allgäu, auf die der Leser im Verlauf der Lektüre geschickt wird.

Kaum erwähnenswert, daß Kluftinger auch diesen Fall wieder mit Bravour löst. Bis dahin habe ich aber des öfteren laut über die Fettnäpfchen gelacht in die er manchmal mit Anlauf springt…

Kurzum: 13/15 Punkten

P.S. Kluftinger Fans sollten sich das hier mal ansehen: kommissar-kluftinger.de


Die dunkle Wahrheit des Mondes, Andrea Camilleri

April 21, 2008

Wer bei den Commissario Montalbano Romanen von Andrea Camilleri Spannung bis unter die Haarspitzen und schweißnasse Hände sucht, wird enttäuscht – und das zu Recht!
Camilleri versteht es vielmehr, dem italophilen Leser einen in sich schlüssigen Charakter zu präsentieren, der sich im Laufe der Romanreihe auch entsprechend weiterentwickelt.

Dies ist auch genau der Grund dafür, warum ich von Donna Leonss Commissario Brunetti völlig abgekommen bin. Die ersten 3 Bücher sind noch nett zu lesen, aber dann merkt man ihnen deutlich an, daß Leon fast schon zwanghaft jedes Jahr eine Fortsetzung schreiben muß. Ergebnis ist dann ein Charakter der baukastenmäßig in jedem Buch neu zusammengesetzt wird, aber doch immer wieder nur aus den gleichen vorhersehbaren Elementen besteht.

Nicht so Salvo Montalbano. Wer bis jetzt noch keinen Montalbano gelesen hat, dem sei dringend empfohlen, die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinungsdatums, beginnend mit „Die Form des Wassers“, zu lesen. Nur so lernt man den Protagonisten von Anfang an kennen und lieben.
Ein zugegebenermaßen verschrobener Charakter, der aber gerade dadurch an Profil gewinnt und sich aus der Masse der amerikanischen Einheitscharaktere sympathisch abhebt.

Aber jetzt zu „Die dunkle Wahrheit des Mondes“. Fremdpsrachige Bücher stehen und Fallen mit dem Übersetzer. Christiane v. Bechtolsheim hat hier bei den bisherigen Büchern Wunderbares geleistet. Dem aktuellen Roman hat sich nun ein neuer Übersetzer, Moshe Kahn, angenommen, was dem Buch leider gar nicht gut tut. Die Sprache wird an mancher Stelle etwas hölzern und viel vom eigentlichen Charme geht leider verloren! Bitte nehmt wieder die vorherige Übersetzerin!

Die Geschichte an sich ist altbewährt. Montalbano klärt in seiner unnachahmlichen Art einen Mord auf, der diesmal mit netten erotischen Details aufgepeppt ist. Insgesamt vielleicht ein wenig zu phantastisch, aber unter dem Strich nett und kurzweilig zu lesen. Einen Punktabzug gibt es lediglich aufgrund der in meinen Augen vergleichsweise schlechteren Übersetzungsqualität: 13/15 Punkten.


IT

April 19, 2008

Tja, was soll man sagen? Der Netzwerkanschluß am Arbeitsplatz in einem nicht gerade kleinen IT-Unternehmen…


Feuchtgebiete, Charlotte Roche

April 19, 2008

Es ist nun einige Tage her, daß ich das Buch gelesen habe und damit emotionalen Abstand gewonnen habe. Um was gehts eigentlich?

Helen, 18 jährig, leidet schon einige Jahre an Hämorrhoiden, was an sich nichts Weltbewegendes wäre, wenn sie nicht dazu den Tick hätte, sich regelmäßig die Behaarung im Analbereich mit einem Naßrasierer enfernen zu müssen (sehr damenhaft mit „Arschrasur“ von ihr umschrieben). Nun ist auch klar, was dabei herauskommt: bei einer dieser Rasuren zieht sie sich eine Analfissur zu, also ein kleiner Einschnitt bzw. Riß der Analhaut. Tut höllisch weh und macht eine Operation erforderlich. Hier setzt dann die Geschichte ein.

Charlotte Roche beschreibt die Gefühlslage der 18 jährigen im Krankenhaus sehr blumenreich und direkt. Am Anfang denkt man sich noch „erfrischend, daß hier mal geschrieben wird, was andere nur zu denken wagen“, aber nach 30 Seiten gehts einfach nur noch auf den Nerv. Fäkalsprache par excellance. Spätestens bei Ihrer Beschreibung ihres Analsexes (Sex mit Schokodip), ihren selbst gebastelten und wiederverwendeten Tampons oder ihrer mangelnden Intimhygiene (hier geht der männliche Teil der Leserschaft seine Sexualpartner durch und atmet erleichtert auf, wenn er feststellt, daß er soetwas noch nicht gehabt hat) in Kombination mit der ausführlichen Beschreibung, was sie so alles an Körperausscheidungen isst, fasst man das Buch mit etwas spitzeren Fingern an.

Kurzum: die größte Schweinerei, die ich jemals in meinem Leben gelesen habe, und ich nehme durchaus für mich in Anspruch abgehärtet zu sein.

Etwas weniger wäre hier weitaus mehr gewesen, aber so bleibt das Buch leider eine platte Aneinanderreihung plumper Schweinereien. Schade!

Zusammengefasst: 3/15 Punkten, aber auch nur weil die ersten Seiten ganz nett geschrieben sind.

P.S. Unvorsichtigerweise habe ich mir eine Karte für eine Autorenlesung am 8.5. in Stuttgart besorgt bevor ich mit dem Lesen angefangen habe. Wer will, kann sie gerne haben…