Es ist nun einige Tage her, daß ich das Buch gelesen habe und damit emotionalen Abstand gewonnen habe. Um was gehts eigentlich?
Helen, 18 jährig, leidet schon einige Jahre an Hämorrhoiden, was an sich nichts Weltbewegendes wäre, wenn sie nicht dazu den Tick hätte, sich regelmäßig die Behaarung im Analbereich mit einem Naßrasierer enfernen zu müssen (sehr damenhaft mit „Arschrasur“ von ihr umschrieben). Nun ist auch klar, was dabei herauskommt: bei einer dieser Rasuren zieht sie sich eine Analfissur zu, also ein kleiner Einschnitt bzw. Riß der Analhaut. Tut höllisch weh und macht eine Operation erforderlich. Hier setzt dann die Geschichte ein.
Charlotte Roche beschreibt die Gefühlslage der 18 jährigen im Krankenhaus sehr blumenreich und direkt. Am Anfang denkt man sich noch „erfrischend, daß hier mal geschrieben wird, was andere nur zu denken wagen“, aber nach 30 Seiten gehts einfach nur noch auf den Nerv. Fäkalsprache par excellance. Spätestens bei Ihrer Beschreibung ihres Analsexes (Sex mit Schokodip), ihren selbst gebastelten und wiederverwendeten Tampons oder ihrer mangelnden Intimhygiene (hier geht der männliche Teil der Leserschaft seine Sexualpartner durch und atmet erleichtert auf, wenn er feststellt, daß er soetwas noch nicht gehabt hat) in Kombination mit der ausführlichen Beschreibung, was sie so alles an Körperausscheidungen isst, fasst man das Buch mit etwas spitzeren Fingern an.
Kurzum: die größte Schweinerei, die ich jemals in meinem Leben gelesen habe, und ich nehme durchaus für mich in Anspruch abgehärtet zu sein.
Etwas weniger wäre hier weitaus mehr gewesen, aber so bleibt das Buch leider eine platte Aneinanderreihung plumper Schweinereien. Schade!
Zusammengefasst: 3/15 Punkten, aber auch nur weil die ersten Seiten ganz nett geschrieben sind.
P.S. Unvorsichtigerweise habe ich mir eine Karte für eine Autorenlesung am 8.5. in Stuttgart besorgt bevor ich mit dem Lesen angefangen habe. Wer will, kann sie gerne haben…