The Remains of the Day, Was vom Tage übrig blieb, Kazuo Ishiguro

Mai 11, 2008

Stevens, der Butler von Darlington Hall, begibt sich im Sommer 1956 auf eine Reise durch Südengland. Was als kleine Aufmerksamkeit seines Herrn, eines reichen Amerikaners (der Darlington Hall inkl. Butler nach dem Tod des Lords gekauft hat) , gedacht war, wird zu einer Rückbesinnung auf ein Leben, das von äußeren Zwängen und verpassten Chancen geprägt ist.

Neben einem Prolog, der den Ausgangspunkt der Reise im Jahr 1956 und die äußeren Umstände umreisst, widmen sich die folgenden 6 Kapitel den 6 Reisetagen, die Handlung tritt hier jedoch hinter die Reflexionen des Butlers. Ishiguro zeigt hier einen Menschen, dessen oberste Maxime Pflichtbewußtsein ist (interessant auch die Diskussion im Buch, was alles unter „dignity“ zu subsumieren ist). Weder die engen Kontakte des Lords zu den Nationalsozialisten (Darlington Hall wird zum Mittelpunkt geheimer Treffen englischer und nationalsozialistischer deutscher Politiker) noch der Tod seines eigenen Vaters, der auch als Bediensteter in Darlington Hall arbeitet, bringen seine Loyalität ins Wanken.

Interessant auch die Aussage, warum nur Engländer richtige Butler sein können: „Continentals are unable to be butlers because they are s a breed incapable of the emotional restraint which only the English race is capable of.“

Am Ende seiner Reise (Tag 6) trifft er eine ein ehemalige Angestellte von Darlington Hall, die das Anwesen heiratsbedingt verlassen hatte. Seine Liebe zu ihr hat er sich niemals eingestanden, es wird ihm aber nun bewußt, daß er an der Schwelle seines Lebensabends steht, „the remains of the day“.

Eine meisterhafte Beschreibung eines Lebens im zu engen Korsett der Pflichterfüllung und Loyalität. Wunderbar geschrieben! 14/15 Punkte.


Autorenlesung Feuchtgebiete, Charlotte Roche

Mai 8, 2008

Hmmmm, nach meinem Kommentar zum Buch (siehe erster Eintrag) hatte ich mir von der Autorenlesung nicht viel erwartet und wollte die Karte schon verschenken. Gut, daß sie keiner haben wollte, denn die Vielzahl an ausverkauften Veranstaltungen hat mich dann doch neugierig gemacht.

Charlotte Roche hat in dieser Lesung wieder Einiges gutgemacht. Gute Laune, lockere Atmosphäre (was sicher auch am Stuttgarter Publikum lag, das die ganze Sache amüsiert verfolgt hat) und eine gute Portion Selbstironie verdienen das Label „Cool“! Man merkt der Autorin zwar an, daß es nicht die erste Lesung war und sie genau wusste, wie sie das Publikum bei der Stange halten konnte, aber es hat ihr auch sichtlich Spaß gemacht, gezielt zu provozieren und ihr eigenes Buch zu karrikieren.

In der anschließenden Fragerunde kamen zwar keine wirklich neuen Fragen auf, aber die Art und Weise, wie sie selbst mit sehr persönlichen Fragen umging verdient den Schlußkommentar:

„Netter und vergnüglicher Abend, gut gelacht und empfehlenswert“. Im Gegensatz zum Buch 12/15 Punkte.