Stevens, der Butler von Darlington Hall, begibt sich im Sommer 1956 auf eine Reise durch Südengland. Was als kleine Aufmerksamkeit seines Herrn, eines reichen Amerikaners (der Darlington Hall inkl. Butler nach dem Tod des Lords gekauft hat) , gedacht war, wird zu einer Rückbesinnung auf ein Leben, das von äußeren Zwängen und verpassten Chancen geprägt ist.
Neben einem Prolog, der den Ausgangspunkt der Reise im Jahr 1956 und die äußeren Umstände umreisst, widmen sich die folgenden 6 Kapitel den 6 Reisetagen, die Handlung tritt hier jedoch hinter die Reflexionen des Butlers. Ishiguro zeigt hier einen Menschen, dessen oberste Maxime Pflichtbewußtsein ist (interessant auch die Diskussion im Buch, was alles unter „dignity“ zu subsumieren ist). Weder die engen Kontakte des Lords zu den Nationalsozialisten (Darlington Hall wird zum Mittelpunkt geheimer Treffen englischer und nationalsozialistischer deutscher Politiker) noch der Tod seines eigenen Vaters, der auch als Bediensteter in Darlington Hall arbeitet, bringen seine Loyalität ins Wanken.
Interessant auch die Aussage, warum nur Engländer richtige Butler sein können: „Continentals are unable to be butlers because they are s a breed incapable of the emotional restraint which only the English race is capable of.“
Am Ende seiner Reise (Tag 6) trifft er eine ein ehemalige Angestellte von Darlington Hall, die das Anwesen heiratsbedingt verlassen hatte. Seine Liebe zu ihr hat er sich niemals eingestanden, es wird ihm aber nun bewußt, daß er an der Schwelle seines Lebensabends steht, „the remains of the day“.
Eine meisterhafte Beschreibung eines Lebens im zu engen Korsett der Pflichterfüllung und Loyalität. Wunderbar geschrieben! 14/15 Punkte.
Mai 12, 2008 um 10:09
Ishiguro, in Nagasaki geboren, kam mit sechs Jahren nach England. Dieses biographische Detail erklaert Einiges an dem Buch, die kuehle Beobachtungsgabe, der Blick aus einer anderen Kultur in die anverwandelte Kultur, die unbestechliche Balance zwischen Distanz und Empathie. Wie Ishiguro es schafft, Interesse, Anteilnahme und sogar den Anflug von Verstaendnis fuer seine Hauptfigur zu wecken, ist ein Meisterstreich.
Beim Betrachten des gleichnamigen Films, einer Merchant Ivory Produktion aus dem Jahr 1993, bekommt man unmittelbar den Eindruck, der Roman wurde als Drehbuch fuer Anthony Hopkins geschrieben. Die ausdrucksstarke Ausdruckslosigkeit seiner Mimik, das Flackern, das ueber sein Gesicht huscht und in den stechenden, jeden Blickkontakt vermeidenden Augen erlischt, die forsche und doch leicht abgefederte Gangart — all das fuegt sich zu einer schauspielerischen Glanzleistung.