Brida, Paulo Coelho

Dezember 28, 2008

Umzugsbedingt kamen die letzten Wochen einer literarischen Durststrecke sehr nahe. Als Ersatz habe ich manches Hörbuch angehört, aber ein Ersatz für Gedrucktes bei einem Glas Wein im Ohrensessel sind sie -Gott sei Dank- noch nicht.

Ein Weihnachtsgeschenk hat mich neugierig gemacht – „Brida“ von Paulo Coelho. Das Buch tritt bei mir ein schweres Erbe an. Nach „Der Alchimist“ und „11 Minuten“ war ich äußerst gespannt, was dieser Roman zu bieten hatte. Ein Blick auf den Klappentext verspricht Einiges: „Aber woran erkennt man den Mann oder die Frau seines Lebens?, fragte Brida. Du musst etwas riskieren, war die Antwort. Dabei wirst du oft scheitern, du wirst enttäuscht werden, desillusioniert. Aber wenn du nie aufhörst, nach deiner Liebe zu suchen, wirst du sie am Ende finden.“

Auch wenn man bedenkt, daß dieser Roman schon 20 Jahre alt ist und erst jetzt in der deutschen Übersetzung herausgegeben wurde, hat er mich enttäuscht. Wer etwas über die Weltenseele erfahren will, sollte „Der Alchimist“ lesen, wer etwas über Spiritualität und Erotik erfahren möchte, dem sei „11 Minuten“ empfohlen. Brida hat mir persönlich zu wenig Impulse gegeben. Die Geschichte einer jungen Frau in Irland, die in die Geheimnisse der Mond- und Sonnentradition eingeführt wird und schießlich als Hexe initiiert wird….

Schön geschrieben, geheimnisvoll und spannend, aber in keinster Weise mit dem Alchimisten vergleichbar, der mir persönlich einige neue Denkanstöße gab.

Frauen würden jetzt vielleicht argumentieren, daß „Brida“ eher ein Frauenroman ist – falls ja, sind sie eingeladen, hier ihre Gründe darzulegen.

Fazit: 9/15 Punkten (aber auch nur weil ich ein Coelho-Fan bin) 🙂

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Bedenkliche Sicherheitslücke…

Juni 22, 2008

Heute in der F.A.S gefunden:
„Sicherheitslücke im Küchengerät: Die Kaffeemaschine Impressa F90 des Schweizer Herstellers Jura weist nach Beobachtungen eines australischen Kunden eine schwerwiegende Sicherheitslücke in ihrem „Internet Coffee System“ auf, das eigentlich für die Fernabfrage des Maschinenstatus und der Umsätze zuständig ist. Nutzt ein Angreifer die Lücke aus, kann er das Gerät umkonfigurieren, also beispielsweise die Einstellungen für den Brühvorgang und die Stärke des Kaffees manipulieren. (misp.)“

Ist das der Angriff auf die deutsche Kaffeeseele?
Kann der Nachbar jetzt meine Kaffeemaschine so infiltrieren, dass morgens statt eines Espresso plötzlich Suppenbrühe kommt? Wo bleibt hier der Verfassungsschutz? 🙂


Schweigeminute, Siegfried Lenz

Juni 20, 2008

Nachdem die „Deutschstunde“ das einzige Werk war, das ich bis jetzt von Siegfried Lenz gelesen habe, drängte sich „Schweigeminute“ direkt auf.

Die Handlung an sich ist kurz umrissen: Wir befinden uns an der Küste im deutsch-dänischen Grenzgebiet, man zahlt noch mit der Mark…. Ein etwa 18 jähriger Schüler verliebt sich in seine wenig ältere Englischlehrerin. Beide beginnen eine Affäre, die im Unfalltod der Lehrering tragisch endet.

Eine Geschichte, wie man sie schon des öfteren gelesen hat – was ist an dieser besonders?
Lenz schreibt in direkt sinnlicher Prosa. Fast kann man das Salzwasser schmecken, die Seeluft riechen und den Seewind auf der Haut spüren. Die Personen wirken erstaunlich lebendig, obwohl er sie und ihre Gefühle nur skizziert. Trotzdem wirken sie anmutig und zart, fast zerbrechlich zugleich.

Ein schönes Buch, das man wegen des sprachlichen Ausdrucks einfach genießen kann…

13/15 Punkte


Was man im USA Urlaub alles sieht…

Juni 15, 2008

Interessant, welche Kuriosa einem vor die Linse kommen, wenn man in den Staaten Urlaub macht:

tja, nur so kommt man zu etwas:

thematisch nicht ganz aktuell, aber auch nett:

Noch an fast allen öffentlichen Gebäuden zu finden (zumindest in Ohio) – ist die Welt doch noch gefährlicher als gedacht?:

und hier mein persönlicher Favorit – da sieht man gleich, wer sauber macht:


The Remains of the Day, Was vom Tage übrig blieb, Kazuo Ishiguro

Mai 11, 2008

Stevens, der Butler von Darlington Hall, begibt sich im Sommer 1956 auf eine Reise durch Südengland. Was als kleine Aufmerksamkeit seines Herrn, eines reichen Amerikaners (der Darlington Hall inkl. Butler nach dem Tod des Lords gekauft hat) , gedacht war, wird zu einer Rückbesinnung auf ein Leben, das von äußeren Zwängen und verpassten Chancen geprägt ist.

Neben einem Prolog, der den Ausgangspunkt der Reise im Jahr 1956 und die äußeren Umstände umreisst, widmen sich die folgenden 6 Kapitel den 6 Reisetagen, die Handlung tritt hier jedoch hinter die Reflexionen des Butlers. Ishiguro zeigt hier einen Menschen, dessen oberste Maxime Pflichtbewußtsein ist (interessant auch die Diskussion im Buch, was alles unter „dignity“ zu subsumieren ist). Weder die engen Kontakte des Lords zu den Nationalsozialisten (Darlington Hall wird zum Mittelpunkt geheimer Treffen englischer und nationalsozialistischer deutscher Politiker) noch der Tod seines eigenen Vaters, der auch als Bediensteter in Darlington Hall arbeitet, bringen seine Loyalität ins Wanken.

Interessant auch die Aussage, warum nur Engländer richtige Butler sein können: „Continentals are unable to be butlers because they are s a breed incapable of the emotional restraint which only the English race is capable of.“

Am Ende seiner Reise (Tag 6) trifft er eine ein ehemalige Angestellte von Darlington Hall, die das Anwesen heiratsbedingt verlassen hatte. Seine Liebe zu ihr hat er sich niemals eingestanden, es wird ihm aber nun bewußt, daß er an der Schwelle seines Lebensabends steht, „the remains of the day“.

Eine meisterhafte Beschreibung eines Lebens im zu engen Korsett der Pflichterfüllung und Loyalität. Wunderbar geschrieben! 14/15 Punkte.


Autorenlesung Feuchtgebiete, Charlotte Roche

Mai 8, 2008

Hmmmm, nach meinem Kommentar zum Buch (siehe erster Eintrag) hatte ich mir von der Autorenlesung nicht viel erwartet und wollte die Karte schon verschenken. Gut, daß sie keiner haben wollte, denn die Vielzahl an ausverkauften Veranstaltungen hat mich dann doch neugierig gemacht.

Charlotte Roche hat in dieser Lesung wieder Einiges gutgemacht. Gute Laune, lockere Atmosphäre (was sicher auch am Stuttgarter Publikum lag, das die ganze Sache amüsiert verfolgt hat) und eine gute Portion Selbstironie verdienen das Label „Cool“! Man merkt der Autorin zwar an, daß es nicht die erste Lesung war und sie genau wusste, wie sie das Publikum bei der Stange halten konnte, aber es hat ihr auch sichtlich Spaß gemacht, gezielt zu provozieren und ihr eigenes Buch zu karrikieren.

In der anschließenden Fragerunde kamen zwar keine wirklich neuen Fragen auf, aber die Art und Weise, wie sie selbst mit sehr persönlichen Fragen umging verdient den Schlußkommentar:

„Netter und vergnüglicher Abend, gut gelacht und empfehlenswert“. Im Gegensatz zum Buch 12/15 Punkte.


Grobsendungen

April 27, 2008

Ich möchte nicht wissen, was man hier alles einwerfen kann….